Samstag, 13. August 2016

Und so starben 600 Menschen in wenigen Sekunden

Genau dieses Verhaltensmuster führte 1977 zur größten Flugzeugkatastrophe der zivilen Luftfahrt. Auf Teneriffa starben 600 Menschen beim Zusammenstoß zweier Jumbo-Jets Boeing 747. 

Hören Sie in weniger als 2 Minuten, wie dieses Muster einer solchen fatalen Ereigniskette abläuft


Der Verursacher, Kapitän van Zanten des KLM Jumbos, war der Flottenchef der KLM, Ausbildungskapitän, extrem erfahren und er ziert heute wieder die Werbeplakate der Airline. Er war ein Muster eines Flugkapitäns, ein Held der Lüfte, makellose Karriere, tadelloses Image, unantastbar. 



Seiner Cockpitcrew gelang es nicht, ihn daran zu hindern die Schubhebel auf Startleistung zu schieben obwohl keine Startfreigabe vorlag. 
Er fühlte sich im Recht, weil er immer im Recht war. Punkt! 
Er wurde nie kritisiert, weil die Kritikübenden die Airline verlassen oder erhebliche Karriereeinbußen hinnehmen mussten. 
Und so rammte er bei Abhebegeschwindigkeit in dichtem Nebel einen vollbesetzten Pan Am Jumbo, der die Freigabe zum Kreuzen der Startbahn hatte. 
Er war ein Held. Diesen Mythos genossen viele Kapitäne. Viele von ihnen leben heute nicht mehr, weil sie sich und ihre ihnen anvertrauten Fluggäste in den Tod geflogen haben. Die ihnen unterstellten Cockpit- und Kabinenbesatzungen wussten oft, dass sie in ein fatales Ereignis steuern und waren psychisch nicht fähig es zu verhindern.
1977, das fatale Ereignis auf Teneriffa, war der entscheidende Auslöser zur Entwicklung des Crew-Resource-Management in der Verkehrsluftfahrt. 
Seitdem sind die Unfälle, von denen über 80% auf Human Factors zurückzuführen waren, um 90% zurückgegangen. 
Es war der Beginn zur Entwicklung des fehlerärmsten Arbeitsplatzes der Welt, ein Flugzeug mit heute bis zu über 500 Passagieren in der Verkehrsluftfahrt. 
Es ist das einzige Führungsmodell, das in einer Branche weltweit anerkannt und eingesetzt wird. 
Es ist ein bisher beispiellos erfolgreiches Führungsmodell. 
So erfolgreich, dass die US-Regierung die Umsetzung der Inhalte des CRM in allen Kliniken der USA gesetzlich angeordnet hat.
In Unternehmen gibt und gab es ähnliche Vorgänge. Viele Namen, die man sich als junger Mensch niemals wegdenken konnte, die als unangreifbar galten: 
Quelle, Neckermann, Grundig, Telefunken, Dual, AEG... 
Von einigen ist noch die Markenhülle geblieben, die Menschen, die dort arbeiteten, sind schon lange nicht mehr da. 
Es folgen weitere große Namen die kaum noch überleben können. 
Heute las ich bin der unabwendbaren Insolvenz von Langenscheidt. 

Warum gibt es in der Wirtschaft kein Crew-Resource-Management? 


Weil es keine unmittelbaren Toten gibt.
Weil die Vernichtung von zig tausenden Arbeitsplätzen mit einem Achselzucken hingenommen wird. Weil so getan wird, als wenn äußere Umstände den Untergang unausweichlich machten. 
Das war in der Verkehrsluftfahrt bis Anfang der 80-Jahre auch so. Und es wäre immer noch so, wenn da nicht die medienwirksamen, existenzbedrohenden Folgen durch den Verlust der vielen Menschenleben gewesen wäre...

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