Freitag, 12. Oktober 2018

Arroganz der Führung – so starben fast 600 Menschen in wenigen Sekunden

Genau dieses Verhaltensmuster eines Chefs führte vor über 40 Jahren zur größten Flugzeugkatastrophe der zivilen Luftfahrt. Auf Teneriffa starben am 27. März 1977 fast 600 Menschen beim Zusammenstoß zweier Jumbo-Jets auf der Startbahn des in Nebel gehüllten Flughafens Los Rodeos.

Hören Sie in weniger als 3 Minuten, wie das Muster einer solchen fatalen Ereigniskette abläuft


Anmerkung zum Video:
Ist authentisch, das Funkgespräch hat real stattgefunden

Zurück nach Teneriffa:

Der Verursacher, Flugkapitän van Zanten im KLM Jumbo, war Flottenchef der KLM, Ausbildungskapitän, extrem erfahren, und er ziert heute wieder die Werbeplakate der Airline. Er war das Ideal eines Flugkapitäns, ein Held der Lüfte, makellose Karriere, tadelloses Image, unantastbar.

Seiner Cockpit-Crew gelang es nicht, ihn daran zu hindern die Schubhebel auf Startleistung zu schieben, obwohl keine Startfreigabe vorlag.
Er fühlte sich im Recht, weil er immer im Recht war. Punkt!
Er wurde nie kritisiert, weil die Kritikübenden die Airline verlassen oder erhebliche Karriereeinbußen hinnehmen mussten.
Und so rammte er mit über 200 km/h, in dichtem Nebel, einen vollbesetzten Pan Am Jumbo, der die Freigabe zum Kreuzen der Startbahn hatte.

Er war ein Held – bis zu diesem Tag. Diesen Mythos genossen bis dahin viele Kapitäne.

Viele von ihnen leben heute nicht mehr. Sie haben ihre ihnen anvertrauten Fluggäste, ihre Crew und sich selbst in den Tod geflogen! Die ihnen unterstellten Cockpit- und Kabinenbesatzungen wussten oft, dass sie in eine Katastrophe steuern – und waren nicht fähig es zu verhindern.
Totales Teamversagen – verursacht durch die Führungskraft – die bis dahin häufigste Ursache fataler Flugzeugunfälle!

1977, die Katastrophe auf Teneriffa, war der entscheidende Auslöser zur Entwicklung des
Crew-Resource-Managements (CRM) in der Verkehrsluftfahrt.
Seitdem sind fatale Luftfahrt-Unfälle, von denen über 80% auf menschliches Versagen zurückzuführen waren, um das tausendfache zurückgegangen.
Es war der Start für die Entwicklung des weltweit fehlerärmsten und effektivsten Arbeitsplatzes – Cockpit und Kabine eines Verkehrsflugzeuges.
Es ist das einzige Führungsmodell, das in einer Branche weltweit anerkannt und eingesetzt wird.
Es ist ein bisher beispiellos erfolgreiches und stets wissenschaftlich weiterentwickeltes Führungsmodell.
Es ist so erfolgreich, dass die US-Regierung die Umsetzung des CRM auch in Kliniken der USA gesetzlich angeordnet hat.



In Unternehmen gab und gibt es viele ähnliche Vorgänge. Viele Namen, die ich mir als junger Mensch niemals wegdenken konnte, die als unangreifbar galten, sind durch das gefährliche Verhaltensmuster von Führungskräften verschwunden:
Quelle, Neckermann, Grundig, Telefunken, AEG, Dresdner Bank...
Von einigen ist noch die Markenhülle geblieben, die Menschen, die dort arbeiteten, sind schon lange nicht mehr da.
Es werden weitere große Namen folgen.

Warum gibt es in der Wirtschaft kein Crew-Resource-Management?

  • Weil es keine unmittelbaren Toten gibt.
  • Weil die Vernichtung von zig-tausenden Arbeitsplätzen und kapitaler wirtschaftlicher Schaden mit einem Achselzucken der Verantwortlichen hingenommen wird.
  • Weil so getan wird, als wenn äußere Umstände den Untergang unausweichlich machten.

Das war in der Verkehrsluftfahrt auch so. Und es wäre immer noch so, wenn da nicht bei jedem fatalen Unfall die medienwirksamen, existenzbedrohenden Folgen durch den Verlust der vielen Menschenleben drohen würden...

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