Wir sind schon ein
tolles Team!
Sie kennen diesen Satz. Auch ich habe ihn sehr oft in Unternehmen und Kliniken immer wieder gehört.
Ja,
alle verstehen sich gut, haben Spaß miteinander, verbringen sogar einen Teil ihrer Freizeit zusammen –
aber ein echtes Team sind sie nicht!
In der Luftfahrt war genau diese Tatsache bis in die 1980er-Jahre das Problem.
Das war eine der ersten Erkenntnisse in der Erforschung der Flugzeugabstürze. Sie führte zur Entwicklung des
Crew-Resource-Managements (CRM).
Trotz guter Laune und erfüllender Arbeit
werkelte jeder neben dem anderen her, anstatt mit ihm zusammen zu arbeiten.
Es
fehlten die Regeln der effektiven Kommunikation, die das CRM später als so entscheidend beschrieben hat.
Es
fehlten die Voraussetzungen, die aus einem s
ogenannten Team ein echtes Team werden lassen.
Die
entscheidenden Bedingungen für ein
echtes Team beschreibt Harvard-Professor
J. Richard Hackman wie folgt:
1. Ziel
Eine erstrebenswerte Vorstellung von der gemeinsam zu leistenden Arbeit und dem dazugehörigen Ziel
2. Struktur
Eine geeignete Arbeits- und Kompetenzstruktur sowie klare Rollenverteilung im Team
3. Organisation
Eine fördernde Organisation und Umgebung im Unternehmen
4. Training
Ein regelmäßiges, professionelles Training für Teamarbeit
Diese Bedingungen herzustellen
ist anspruchsvoll. Es braucht dazu
präzise Regeln, vor allem für Kommunikation, Entscheidungsfindung und den Umgang mit Fehlern.
Die
Rollen müssen klar und eindeutig verteilt und untereinander zweifelsfrei bekannt und akzeptiert sein.
Das gilt selbstverständlich auch für die Rolle des Teamleiters.
Die Auffassung, man
benötige den Teamleiter gar nicht,
widerspricht allen Studien und Erfahrungen aus der Praxis.
Trotzdem ist diese Auffassung – vor allem bei Startups – nicht selten vertreten.
Zur
förderlichen Organisationsstruktur gehört auch die
Standardisierung von sich wiederholenden Prozessen – inklusive Checklisten.
Alle
Prozesse sind immer wieder auf ihr
Standardisierungspotential zu überprüfen und anzupassen. Ein Punkt, den ich in den wenigsten Unternehmen gut erfüllt gesehen habe.
Wo finden wir funktionierende, echte Teams außerhalb der Verkehrsluftfahrt?
Zum Beispiel bei
erfolgreichen Fußballmannschaften. Sie erfüllen – inklusive Trainer und Vereinsführung – die oben genannten Voraussetzungen und auch nahezu alle Elemente des Crew-Resource-Managements.
Sie sind damit einfach
besser, effizienter und fehlerärmer als andere Mannschaften, die unter gleichen äußeren Bedingungen und Regeln antreten.
Alle spielen auf demselben Rasen, haben identisches Wetter und eine perfekte Ausstattung und Qualifikation der Individuen.
So kommt es, dass ein Spieler beim Wechsel der Mannschaft plötzlich enorme Leistungssteigerung zeigt – oder das Gegenteil – obwohl sein Fachwissen, seine Erfahrung und Kondition exakt gleich geblieben sind.
Der
Unterschied zwischen den Mannschaften besteht in der mehr oder weniger gut entwickelten und gepflegten
Teamintelligenz!
Die Leistung eines intelligenten Teams ist von einzelnen Teammitgliedern nebeneinander her – also von Teams, die keine echten Teams sind, sondern nur so heißen – nicht zu erbringen.
Egal wie viel Mühe sich die Individuen auch geben.
Es nützt demnach nichts, sogenannte Teams personell aufzustocken oder Teammitglieder darin auszutauschen, weil sie bisher nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht haben.
Auch reicht es nicht, im Team die Voraussetzungen zu schaffen, aber die Umgebung und Organisationstruktur unangepasst zu lassen.
Alle
Bedingungen müssen ständig erfüllt sein, um ein
echtes Team zu bilden und zu erhalten.
In der Verkehrsluftfahrt ist das gelungen.
Dafür wurde das
lehrbare Führungs- und Arbeitsmodell CRM entwickelt und ist in seiner 5. Entwicklungsstufe nach 30 Jahren immer noch einzigartig erfolgreich.
So erfolgreich, dass nicht nur Flugzeugcrews darin geschult und immer wieder nachgeschult werden, sondern auch
Fluglotsen, Flugzeugtechniker und Flughafenpersonal.
Da es bisher nichts vergleichbar Erfolgreiches gibt, interessieren sich auch
immer mehr Kliniken und Firmen, die an ihrer Unternehmenskultur arbeiten wollen, für das CRM.
Ein
angstfreies, bestrafungsfreies und offenes Fehlermanagement ist nur in echten Teams möglich. Es ist das
krönende und erstrebenswerte Ziel eines Veränderungsprozesses, der ständig gepflegt und weiterentwickelt werden muss.
Der gewinnbringende Nebeneffekt sind
zufriedene, erfüllte Mitarbeiter und Vorgesetzte, niedrige Krankenstände und geringe Fluktuation.
Erste
ROI-Berechnungen auch außerhalb der Luftfahrt, zum Beispiel in US-Kliniken, die CRM eingeführt haben, sind so beeindruckend, dass niemand mehr an diesem Weg zweifeln wird, ist er erst einmal ernsthaft beschritten.
Wann fangen Sie an, echte Teams zu formen um dauerhaft in der ersten Liga zu spielen?