Vor jedem Training bzw. Seminar "fliege" ich unseren professionellen A320-Simulator eine kurze Strecke Probe, um alle Systeme zu checken.
Für die Führungskräfte ist das Cockpit schon eine große Herausforderung, da soll die Technik nicht auch noch eine werden ;)
Wir fliegen unter realen Bedingungen, dazu gehört das echte Wetter. So auch an diesem Morgen vergangener Woche, auf dem Test-Flug von Hamburg nach Bremen.
Zum Schluss des Clips werfen wir noch einen kurzen Blick in unseren einzigartigen Seminarraum für unsere Führungskräfte-Trainings.
Change-Mandate bereite ich hier gerne mit einem Crew-Resource-Management Trainingstag und einem anschließenden Workshop mit den beteiligten Führungskräften vor.
Meine Erfahrung damit:
wir kommen im Unternehmen so wesentlich schneller voran und vermeiden weitgehend Reibungsverluste.
Die Regeln und Verhaltensmuster für meine Change-Methode nach dem Crew-Resource-Management der Luftfahrt wurden von allen schätzen gelernt – oder wie sagte mir neulich ein Manager:
sie ist sehr menschenfreundlich, bei aller Konsequenz.
Es gibt fünf klar definierbare Faktoren im Unternehmen, die in einer direkten Beziehung zur Fehlerquote der Firma stehen.
Das ist die Erkenntnis aus mehr als 25 Jahren wissenschaftlicher Arbeit am Führungssystem Crew-Resource-Management in der Verkehrsluftfahrt.
Denn: Hinter jeder Flugzeugcrew steht ein Luftverkehrsunternehmen mit seiner Führungs- und Qualitätsphilosophie.
Einer dieser Faktoren ist das Mitarbeiter-Training.
Unternehmen mit fehlendem oder nur sporadisch existierendem Weiterbildungs- und Trainingsangebot für seine Führungskräfte und Mitarbeiter arbeiten mit einer deutlich höheren Fehlerquote als Firmen, in denen Weiterbildung und Training zum festen Bestandteil der Unternehmensstruktur gehört.
Trainieren ist „doing“ in einer möglichst realitätsnahen Trainingsumgebung.
Nun kann man aus unserer Erfahrung die theoretischen Inhalte, Methoden und Instrumente des Crew-Resource-Managements (CRM) in der Verkehrsluftfahrt nur dann wirklich erfolgreich in der Führungspraxis anwenden, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind:
Es müssen Transferszenarien zwischen CRM und HR-Management im Unternehmen geschaffen werden. Das CRM ist für die Besonderheiten eines Luftverkehrsunternehmen entwickelt worden und daher nicht ohne „Übersetzung“ anwendbar. Das heißt, es muss einen direkten Bezug zu Situationen aus dem Führungsalltag eines Unternehmens geben.
Die gewonnenen theoretischen Erkenntnisse der CRM-Komponenten sollten einprägsam und realitätsnah trainiert werden.
Erst diese beiden Bedingungen erlauben das Umsetzen dieses außerordentlich erfolgreichen Führungs- und Entscheidungsmodells der Luftfahrt in jede andere Branche.
Wie kann man das machen?
Ein Beispiel:
Sie haben im Team die Grundkenntnisse zum Führen eines Airbus-A320 im Simulator unter Anwendung der CRM-Kriterien erlernt.
Sie fühlen sich schon recht sicher und starten bei bestem Wetter auf einem Verkehrsflughafen irgendwo auf der Welt. Das Anwenden der Checklisten erleichtert Ihnen die sich wiederholenden Abläufe im Cockpit.
Auf einmal wird es laut!
Kurz vor dem Abheben ertönt ein schrilles Klingelsignal und mehrere Anzeigen vor und über Ihnen blinken rot.
Der erste Reflex, das Flugzeug sofort zu stoppen, kann nicht realisiert werden, da die Startabbruchgeschwindigkeit schon überschritten ist und die restliche Startbahn zum sicheren Anhalten nicht mehr ausreicht.
Es gibt nur eine richtige Entscheidung: Den Startvorgang fortsetzen.
Ihr Teampartner rechts als „Pilot not flying“ ruft: „Triebwerk Nr. 1 Feuerwarnung“.
Sie rufen als „Pilot flying“ laut: „GO!“.
Stress wird deutlich spürbar, denn Sie haben vergessen, dass Sie in einem Simulator sitzen.
Sie und Ihr Teampartner rechts neben Ihnen im Cockpit haben vorher die Rollen dieses Fluges vereinbart.
Und jetzt erinnert Sie der Instruktor an die erste und wichtigste Regel im Gefahrenfall:
FIRST FLY THE AIRCRAFT
Also fliegen Sie, führen den Startvorgang weiter, obwohl Sie mittlerweile im Bilde darüber sind, dass Ihr Triebwerk 1 höchstwahrscheinlich brennt.
Ihr Teampartner geht mit Unterstützung des Instruktors die auf einem Bildschirm automatisch erscheinende Notfallcheckliste für ein in Brand geratenes Triebwerk durch und kommuniziert sie laut an Sie.
Er stellt das Triebwerk ab, löst den Feuerlöscher aus und startet das Hilfsaggregat für ein Backup der Strom-, Druckluft- und Hydraulikversorgung.
Dabei ruft er Ihnen auch die richtige Geschwindigkeit für den einmotorigen Steigflug zu, dreht diese in den Flugcomputer ein und setzt die verbleibenden Handgriffe der „After-Take-Off“-Checkliste laut mitsprechend um.
Und was machen Sie die ganze Zeit als „Pilot flying“ (das ist Ihre Rolle für den Flug)?:
FLY THE AIRCRAFT
Sie vertrauen darauf, dass Ihr Teampartner seine Rolle kennt, Ihnen das System Flugzeug vom Hals hält und Sie informiert, damit Sie Ihre alles entscheidende Aufgabe richtig ausführen können:
FLY THE AIRCRAFT
Nur darauf konzentrieren Sie sich, ganz und gar.
Nach 60 Sekunden ist alles vorbei. Das Feuer ist aus, Ihr Airbus steigt mit einem Motor inzwischen mit Hilfe des Autopiloten sicher weiter, die Checkliste ist wieder komplett „grün“ und Sie beraten beide mit Hilfe der Checkliste „Aircraft operation single engine“, was jetzt das Beste wäre.
Sie hätten diese 60 Sekunden nicht fliegend überstanden, wenn Sie die erste und elementare Regel nicht sofort beherzigt hätten:
FIRST FLY THE AIRCRAFT
Und jetzt drücke ich als Ihr Instruktor die „Pause“-Taste im Simulator und formuliere die Überschrift neu:
Ihr größter Kunde ist plötzlich insolvent – wie meistern Sie die Krise im Unternehmen erfolgreich?
Und jetzt kommt der Transfer: Ihre Führungsrolle, Ihre Entscheidungen, Ihr Stressmanagement und vor allem: Ihre Kommunikation.
Die Transferzeit setze ich mit:
60 Sekunden = 60 Tage
Die Rahmenbedingung:
Der Kunde macht 25 % Ihres Umsatzes aus
Mein Tipp:
Nehmen Sie die gerade erfolgreich gemeisterte Situation im Cockpit als Vorbild.
Und hier eröffne ich die Diskussion im Seminarteam zur Lösung dieses Problems, mit den gerade trainierten Regeln eines von Ihnen erfolgreich praktizierten CRM im Cockpit.
Im Rahmen der Forschung und Entwicklung des Crew-Resource-Managements (CRM) in der Verkehrsluftfahrt kamen die Analysten und Wissenschaftler zu einem sicheren Ergebnis:
Stress erhöht die Fehlerquote bei der Crew um das 11-fache!
Stress verringert Kreativität und Belastbarkeit deutlich.
Hier ist nicht die Kreativität „wir haben uns alle lieb, tanzen unseren Namen und bilden einen Sitzkreis“ gemeint, sondern die Kreativität, die bei nicht vorhersehbaren Ereignissen die Sicherheit von Passagieren und Besatzung garantiert, oder – in Ihrem Fall – den Fortbestand Ihres Unternehmens.
Stressfördernd sind zum Beispiel folgende Faktoren:
Unsichere Unternehmensstrukturen, unklare oder fehlende Kommunikation, fehlende oder wenig Fortbildung, häufige Reorganisationen, hohe Mitarbeiter-Fluktuation sowie inhomogene Personalstruktur durch unpräzises Recruiting und nicht nachvollziehbare Beförderungspraktiken.
Letztlich verlieren Firmen und Organisationen mit permanenten Stress-Problemen immer mehr an Kundenreputation, verursacht durch fatale Fehler. Der Volkswagenkonzern ist nur ein Beispiel, der Flughafen BBR und der Bau der Elbphilharmonie in Hamburg zeigen ein entsprechendes Bild unter der Beteiligung staatlicher Organisationen.
Ein großer Stress- und Unzufriedenheitsfaktor ist auch eine fehlende, persönliche Wachstumsperspektive im Unternehmen. Mitarbeiter möchten Verantwortung, mit klaren Stellenbeschreibungen und Aufgaben.
Dazu gehört auch eine „positive“ Hierarchie, basierend auf gegenseitiger Wertschätzung und Verlässlichkeit.
In den Cockpits der Verkehrsflugzeuge hat das in mehr als 25 Jahren harter Arbeit zur Wandlung des Helden der Lüfte (wie ein Flugkapitän gerne gesehen wurde) zur erfahrenen und häufig trainierten Cockpit-Führungskraft mit hoher Fachkompetenz geführt.
Diese positive, wertschätzende Hierarchie in der Kabine führt zu deutlich weniger Stress für die Besatzung.
Gute Mitarbeiter halten
Was tut ein Mitarbeiter, der an seinem Arbeitsplatz keine wirkliche Anerkennung und Wertschätzung mit einer persönlichen Wachstumsperspektive erfährt?
Er sucht sich dieses Umfeld in seiner Freizeit: der erste Schritt zur inneren Kündigung im Unternehmen.
Allein hier bei XING suchen, je nach Branche, zwischen 40 und 90 % aller Nutzer latent einen neuen Job.
Suchen Sie mal nach dem Begriff „neue Herausforderung“ unter „ich suche“!
"Ich warte auf ein besseres Angebot" heißt: "in meinem Unternehmen stimmt für mich was nicht!"
Für die Firma ist das in doppelter Hinsicht fatal
Zum einen kostet jede Mitarbeiter-Rochade eine Menge Geld, oft verbunden mit dem Verlust von wertvollem Knowhow.
Zum anderen fördert es das "Burn-out-Syndrom".
Warum?
Durch die latente Unzufriedenheit am Arbeitsplatz und das zunehmende Freizeitengagement gerät der Mensch oft an seine psychischen und physischen Grenzen. Wenig Schlaf, ungesunde Fast Food Ernährung und wenig körperliche Bewegung zahlen dann oft zusätzlich darauf ein.
In den letzten 7 Jahren hat sich die Zahl der Krankheitsbilder um den „Burn-out“ um das 14-fache erhöht – Tendenz weiter schnell zunehmend.
Gepaart mit dem steigenden Fachkräftemangel entsteht in vielen Unternehmen ein für das Unternehmen fataler, oft tödlicher Kreislauf, da die verbleibenden Mitarbeiter die Ausfälle kompensieren müssen und oft bald selbst Opfer werden. Die Fehlerquote steigt und steigt.
Glauben Sie mir, Sie können noch so viel Hochglanzwerbung in Auftrag geben, noch so tolle Slogans durch Agenturen erfinden lassen – gemessen wird Ihr Unternehmen letztlich an der Leistung gegenüber seinem Kunden.
Strotzt die vor Fehlern wird der Kunde die erste Gelegenheit nutzen, sich von Ihnen zu trennen!
Große Unternehmen haben das schmerzlich lernen müssen und tun es noch, kleine und mittlere verschwinden meistens vom Markt oder werden übernommen.
Führungskraft ist Vorbild
Unternehmenskommunikation nach innen ist keine Stabsfunktion, sie sollte in jeder Hierarchiestufe von jedem gelebt werden. Führungskräfte haben hier eine nicht hoch genug einzuschätzende Vorbildfunktion.
In der Luftfahrt wurde wissenschaftlich sicher nachgewiesen, dass fast 80 % der Sicherheit von der Besatzung garantiert werden, nur 20 % von allen anderen Faktoren.
Schon Steve Jobs sagte:
Ein erfolgreiches Unternehmen zu führen bedeutet: Gute Mitarbeiter finden und halten!
Mitarbeiter, die ständig unter Stress gesetzt werden, sind nicht zu halten. Sie gehen oder fallen aus.
Das gilt vom Pförtner bis zur hochqualifizierten Fachkraft.
In der Medizin ist diese Erkenntnis jetzt auch angekommen, nachdem erheblich mehr Wettbewerb entstanden ist und viele Leistungen dem Patienten direkt verkauft werden müssen.
Machen Sie doch mal eine Checkliste, wie es in Ihrem Unternehmen steht.
Gerne stelle ich Ihnen die Punkte dieser Liste aus der CRM-Forschung zur Verfügung. Machen Sie den „Human Factor“ zum Mittelpunkt Ihrer Führungsenergie und Sie haben 80 % Ihres Erfolges gesichert!
Zum Abschluss unseres Stressmanagement-Seminars gibt's immer eine Überraschung im Cockpit.
Nach dem Trainieren der Kommunikation unter Stress und den Flugübungen sollte diesmal ein Seminarteilnehmer im Original-Airbus-A320-Simulator nach doppeltem Triebwerkausfall kurz vor der Landung in Dubai, das Flugzeug sicher im Gleitflug auf die nächstgelegene Piste bringen.
Insgesamt waren bei 3.000 m Flughöhe 9 Minuten Zeit für das Überwinden des Schrecks, die Entscheidungsfindung und die möglichst fehlerarme Ausführung – es gab nur einen Versuch!
Das Geheimnis des Erfolgs liegt in der klaren Aufgabenteilung, einer sehr knappen, einfach gehaltenen und auf den Seminarteilnehmer zugeschnittenen Kommunikation sowie einer ruhig-konzentrierten Atmosphäre im Cockpit.
Der Seminarteilnehmer flog aus dem Kommandantensitz (links) den A320 manuell nach meinen Vorgaben. Er steuerte, ich erledigte als Instruktor den Rest, wie Systembedienung und Navigation.
Diese Aufgabenteilung ist bei Seminarende mit fast jedem Teilnehmer möglich.
Die Teilnehmer haben vor Seminarbeginn in der Regel noch nie in einem Flugzeugcockpit gesessen und verfügen über keine Kenntnisse im Führen eines Flugzeuges.
Sie erleben im Seminar das Erlernte jetzt unter echtem Stress und erfahren dabei, wieviel die Kombination aus richtiger Kommunikation, klarer Aufgabenverteilung und angstfreier Instruktor/Teilnehmer-Atmosphäre ausmacht.
Auch die offene Ansprache von Fehlern oder Unklarheiten ist dabei äußerst wichtig. Sie vermeidet eine Verkettung an Missverständnissen mit fatalen Folgen in dieser sehr heiklen Situation.
Fazit
Instruktor und Seminarteilnehmer waren nach nur 3 Stunden zum Schluss des Stress- und Kommunikationstraining im Cockpit so gut aufeinander eingespielt, dass selbst diese Extremsituation erfolgreich zu meistern war.
Die Erkenntnis
Die Anwendung der wesentlichen Komponenten des Crew Resource Management erhöht dauerhaft den Erfolg Ihrer Arbeit und Ihres Unternehmens!
Trotz hoch automatisierter Abläufe in der Luftfahrt und extrem
redundanter Technik haben die schweren Flugzeugunfälle bis Mitte der 90er Jahre
nicht wesentlich abgenommen.
Die genaue Analyse aller seit 1960 verunglückten Verkehrsflugzeuge
hat gezeigt, dass in 75% der Fälle der Mensch der auslösende Faktor für den
Unfall war.
Das haben auch der zunehmende Automatisierungsgrad und die sehr zuverlässige
Technik nicht geändert.
Nach vielen erfolglosen Versuchen der Unfallreduzierung
durch weitere technische und auf die Ausbildung der Einzelpersonen zielenden
Optimierung hat unter der Führung der Lufthansa und er United Airlines Anfang
der 90er Jahre die wissenschaftliche und konsequente Erforschung des
Miteinanders aller Besatzungsmitglieder eines Verkehrsflugzeuges begonnen – die
Geburtsstunde des CRM (Crew Resource Management)
Das eindeutig wissenschaftlich belegbare Ergebnis heute:
Nur das möglichst perfekte Zusammenspiel der Menschen in
einem Team reduziert entscheidend die Fehlerquote im Mensch/Mensch und
Mensch/Maschine Mechanismus.
Das CRM ist heute verbindliches Aus- und Fortbildungselement
der Cockpit- und Kabinenbesatzungen weltweit in der Verkehrsluftfahrt.
Es hat die Unfallquote im Luftverkehr seit 1990 um 90% reduziert!
Seit einigen Jahren profitiert auch das Gesundheitswesen von
diesen Verfahren und Erkenntnissen erheblich.
Im Rahmen der zunehmenden Rationalisierung, dem steigenden
Fachkräftemangel und der Notwendigkeit zur Effizienz- und Qualitätssteigerung
im oft globalen Wettbewerb ist das System des CRM auch für Industrie- und
Dienstleistungsbetriebe aller Größen ein wertvolles Instrument für ein gut
funktionierendes, fehlerarm arbeitendes Unternehmen mit motivierten und
zufriedenen Mitarbeitern.
Mein Bestseller Fachbuchtipp zum Einstieg in das Thema:
Heute habe ich im Stressmanagement-Training im original Airbus A320 Cockpit Simulator die Frage gestellt bekommen, ob man einen A320 auch im Segelflug nach totalem Triebwerkausfall sicher landen kann.
Einer unserer Trainingsteilnehmer war dann unverhofft vor diese Aufgabe gestellt – sehen Sie wie entspannt auch ein Laie mit dem richtigen Kommunikations- und Stress-Management damit umgehen kann ;)